Die Linke Brandenburg fordert Wassergipfel – Wasserverbrauch von Rechenzentren offenlegen
In acht von 18 Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs gelten derzeit Entnahmebeschränkungen für Wasser. Gleichzeitig plant Amazon Web Services in Baruth/Mark ein Rechenzentrum mit 100 Megawatt Anschlussleistung. Wie viel Wasser die Anlage an Hitzetagen zur Kühlung benötigt, ist öffentlich nicht bekannt.
Ein Rechenzentrum dieser Größenordnung kann bei durchgehendem Volllastbetrieb bis zu 876 Gigawattstunden Strom im Jahr verbrauchen. Zum Vergleich: Der gesamte Stromverbrauch der Landeshauptstadt Potsdam lag 2018 bei rund 556 Gigawattstunden.
Amazon gibt an, seine Rechenzentren überwiegend mit Außenluft zu kühlen und Wasser erst ab einer Außentemperatur von etwa 29 Grad zuzuschalten. Zum Standort Baruth teilte das Unternehmen mit, viele seiner lokalen Anlagen benötigten bis zu 95 Prozent des Jahres kein Wasser zur Kühlung.
Im selben Ort dürfen die Getränkehersteller Red Bull und Rauch nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur rund 2,35 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr entnehmen. Der zugrundeliegende Liefervertrag mit der Stadt Baruth hat eine Laufzeit von 25 Jahren und ist bis heute nicht öffentlich einsehbar.
Wasserbedarfe von Großansiedlungen müssen künftig vor der Genehmigung offengelegt, die nötige Wasserverfügbarkeit transparent dargestellt und der Verbrauch überwacht werden.Solche Beispiele machen deutlich, dass es zur Wasserverfügbarkeit, zum Wassermangel, zur Trinkwasserversorgung und zur Abwasserentsorgung viele offene Fragen gibt.Die Linke Brandenburg fordert deshalb Ministerpräsident Dietmar Woidke auf, einen Wassergipfel einzuberufen.
Katharina Slanina, Landesvorsitzende der Linken Brandenburg, kommentiert: „In acht Landkreisen dürfen die Menschen ihre Gärten tagsüber nicht mehr wässern. Gleichzeitig werden Ansiedlungen durchgewinkt, deren Wasserbedarf niemand kennt. Diese Reihenfolge ist das Problem: Erst wird zugesagt, dann der Verbrauch berechnet. Wer bei Knappheit zuerst drankommt, muss im Gesetz stehen und nicht in individuellen Verträgen.“
Brandenburg gehört bundesweit zu den Regionen mit der geringsten Grundwasserneubildung. Welche Auswirkungen das hat, erleben wir derzeit und es müssen schnellstmöglich entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.
Deshalb muss der Ministerpräsident endlich aktiv werden.
Die Linke Brandenburg fordert:
Einen Wassergipfel unter Leitung des Ministerpräsidenten unter Beteiligung der Umweltverbände, Landwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen.
Gesetzlichen Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung vor gewerblichen Entnahmen bei Wasserknappheit.
Die Erarbeitung einer gemeinsamen Wasserstrategie mit Berlin.
Offenlegung aller kommunalen Wasserlieferverträge.
Verpflichtende Angabe des Wasserbedarfs bei Spitzenlast (nicht nur den Jahresdurchschnitt) vor Erteilung von Entnahmeerlaubnissen.
Überprüfung bestehender Entnahmeerlaubnisse auf Grundlage aktueller hydrologischer Gutachten.
